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Komplexmittel und Antihomotoxische Therapie - die "moderne" Homöopathie

Viele Therapeuten mussten in der eigenen Praxis erkennen, dass die Homöopathie zwar das richtige Behandlungsschema an die Hand gab, sie aber das passende Mittel nicht bestimmen konnten. Zum Teil, weil die Zeit fehlte, um die aufwändige Anamnese und Mittelwahl durchzuführen, zum Teil auch, weil nicht alle Patienten in der Lage sind, über alle notwendigen Details zu berichten und ihre Befindlichkeiten in Worte zu fassen. In solchen Fällen verordneten viele Therapeuten der Not gehorchend mehrere homöopathische Arzneimittel.

Mit der Kombination verschiedener Wirkstoffe bzw. ihrer Potenzen zu Komplexmitteln kann die Homöopathie mehr Therapeuten und Patienten zugänglich gemacht werden, da die Komplexmittel keine Zeit raubende Untersuchung und Mittelwahl erfordern.

Kombinationen mit gesteigerter Wirkung

Es stehen unterschiedliche Komplexmittel zur Verfügung, deren Wirkstoffe sich ergänzen oder potenzieren. Man unterscheidet zwischen "Oligoplexen" und "Similiaplexen". In den Oligoplexen sind wenige (vom griechischen "oligos" = "wenig" und dem lateinischen "plectere" = "flechten") homöopathische Einzelmittel kombiniert, deren Wirkung auf bestimmte Krankheitsbilder abzielen, z. B. verschiedene Homöopathika gegen "Schnupfen". Die Oligoplexe sind dabei um ein Vielfaches wirksamer als die Einzelbestandteile. Bei den Similiaplexen (vom lateinischen "similis" = "ähnlich") richtet sich die Auswahl nach den klinischen Symptomen, z. B. "brennende Augen, laufende Nase".

Antihomotoxische Heilmittel

Antihomotoxische Heilmittel nehmen eine Sonderstellung in der homöopathischen Therapie ein. Die theoretischen Grundlagen wurden von Dr. Hans-Heinrich Reckeweg (1905-1985) entwickelt. Er wollte die wissenschaftlich belegte Wirksamkeit der Schulmedizin mit der Verträglichkeit der Homöopathie verbinden. Dazu begann er eigene homöopathische Kombinationspräparate zu entwickeln, die er ab 1936 in einer eigens gegründeten Firma herstellte und vertrieb.

Nach seinem Modell der Homotoxikologie (vom lateinischen "homo" = "Mensch" und vom griechischen "toxikon" = "Pfeilgift") sind Krankheiten ein Versuch des Körpers, Giftstoffe (= Homotoxine) loszuwerden. Die Auseinandersetzung der körpereigenen Abwehr mit den Homotoxinen verläuft nach ganz bestimmten Gesetzmäßigkeiten. Die Abwehrvorgänge unterteilte Reckeweg in sechs Phasen. Die ersten Phasen zeigen noch die Tendenz zur Selbstheilung. Je weiter die Krankheitsvorgänge fortschreiten, desto mehr geht die Tendenz dann in Richtung einer chronischen Erkrankung.

Die antihomotoxischen Heilmittel wurden für die verschiedenen Schweregrade der Erkrankungen entwickelt. Man kann sie im Wesentlichen in vier Gruppen einteilen:

  1. Homöopathische Einzelmittel in verschiedenen Potenzen
  2. Potenzakkorde: Homöopathische Einzelmittel in Potenzreihen von D4 bis D200
  3. Potenzakkorde verschiedener Einzelmittel in unterschiedlichen Potenzen
  4. Komplexmittel aus verschiedenen Einzelmitteln, jeweils in einer "symptombewährten" Potenz

Komplexmittel für Behandlung von "Alltagsbeschwerden"

Antihomotoxische Komplexmittel können in jede Hausapotheke aufgenommen werden. Sie dürfen sogar - im Gegensatz zu Einzelmitteln - vorbeugend angewendet werden. Mit den bewährten Kombinationen darf sich auch der Laie zutrauen, leichte Erkrankungen zu behandeln. Beispielsweise bei den ersten Anzeichen einer Erkältung eingenommen, kann das richtige Komplexmittel die Selbstheilungskräfte des Körpers so weit stärken, dass der Infekt gar nicht erst zum Ausbruch kommt.

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