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Phytotherapie - mit Pflanzen heilen

Die Phytotherapie (aus dem Griechischen "phyton" = "Gewächs" und "therapenein" = "pflegen, heilen") ist die Vorbeugung und Behandlung von Krankheiten mit Mitteln, die aus Pflanzen, Pflanzenteilen, Pflanzeninhaltsstoffen oder deren Zubereitung bestehen.

Die Pflanzenheilkunde ist die älteste Art der Behandlung von Krankheiten. Schon die Urmenschen kannten Pflanzen, mit denen sie Wunden abdecken konnten. In der Volksmedizin hat sich das Wissen über Heilpflanzen aufgrund von Überlieferung und Erfahrung erhalten. Es gibt auch heutzutage selbst in den Industrieländern keinen Haushalt, in dem man nicht Pflanzenheilmittel finden kann - und sei es nur in Form eines Tees.

Heiler begannen schon sehr früh, die Wirkung von Heilpflanzen systematisch zu studieren und ihre Zubereitung und Anwendung zu standardisieren. So findet man im "Papyrus Eber", dem ältesten Zeugnis ärztlichen Handelns, Rezepte aus Heilpflanzen, die mit unglaublicher Genauigkeit zusammengestellt waren. Die phytotherapeutischen Anweisungen des griechischen Arztes Galenos (2. Jahrhundert n. Chr.) wurden bis ins Mittelalter exakt befolgt und haben im Hinblick auf die Zubereitungsart von pflanzlichen Heilmitteln zum Teil bis heute Gültigkeit. Nach ihm werden die galenischen Zubereitungen benannt.

Unter Karl dem Großen wurde der Anbau bestimmter Heilpflanzen sogar gesetzlich vorgeschrieben. So sind die Klostergärten entstanden und die Klostermedizin konnte sich entwickeln.

Alte Heilweise mit modernen Methoden belegt

Die heutige wissenschaftliche Phytotherapie konzentriert sich auf die Isolierung und die Wirkungsanalyse von Pflanzeninhaltsstoffen. Die Ergebnisse dieser Forschung stimmen zum Teil auf verblüffende Weise mit dem Erfahrungsschatz der Volksmedizin überein.

Alle verkäuflichen Phytotherapeutika unterliegen dem Arzneimittelgesetz und müssen Sicherheitsstandards entsprechen. Verantwortungsbewusste Hersteller prüfen ihre Heilpflanzen auf Schadstoffeinlagerung während der Wachstumsphase (z. B. Insektizide, radioaktive Belastung) sowie auf Schadstoffe, die während der Lagerung entstehen können (z. B. Aflatoxine durch Schimmelpilze).

Wie wirken pflanzliche Heilmittel?

Heilpflanzen enthalten eine große Zahl von wirksamen Inhaltsstoffen, die nach ihren chemischen oder physikalischen Eigenschaften in Wirkstoffgruppen eingeteilt werden.

Ätherische Öle:
Dies sind die bekanntesten Wirkstoffe vieler Heilpflanzen. Man kann sie riechen und manchmal sogar sehen. Denn mitunter sind sie in "Öltröpfchen" eingeschlossen, die man erkennen kann, wenn man beispielsweise ein Blatt von der Pfefferminze oder vom Johanniskraut gegen das Licht hält. Sie wirken auf bestimmte Nervenfunktionen, auf Haut und Schleimhäute und fördern die Durchblutung. Bei unsachgemäßer oder zu hoher Zufuhr können sie Reizungen auslösen und die Leber schädigen.

Beispiele: Pfefferminze gegen Kopfschmerzen, Eukalyptus und Thymian gegen Husten, Kümmel gegen Blähungen, Ingwer zur Anregung der Verdauung.

Flavonoide:
Diese Inhaltsstoffe wirken entkrampfend, entwässernd, schwach blutdrucksenkend, blutgerinnungshemmend und schmerzstillend.

Beispiele: Ginkgo gegen Durchblutungsstörungen, Weißdorn zur Entwässerung, Mariendistel gegen erhöhten Blutdruck.

Gerbstoffe:
Sie wirken zusammenziehend (adstringierend), Bakterien hemmend und auf der Haut schmerzstillend.

Beispiel: Eichenrinde für Sitzbäder oder Umschläge bei nässenden Schürfwunden.

Bitterstoffe:
Sie sind deutlich erkennbar an ihrem bitteren Geschmack. Sie wirken sekretionsanregend, blähungstreibend und regen den Gallenfluss an.

Beispiele: Wermut, Enzianarten.

Wie werden pflanzliche Arzneimittel zubereitet?

Für die Ernte jeder Heilpflanze gibt es einen optimalen Erntezeitpunkt, an dem sie ihren höchsten Wirkstoffgehalt besitzt. Der Zeitraum, in dem eine Pflanze geerntet werden kann, ist meistens eng begrenzt. Oft kann man sie nur einmal im Jahr ernten, für die übrige Zeit müssen sie konserviert werden.

An Zubereitungsformen unterscheidet man:

  • Frischpflanzenzubereitung:
    frisch geerntete Pflanzenteile werden zerkleinert und ausgepresst. Der Saft enthält alle Inhaltsstoffe der Pflanzenzelle. Er ist ohne Konservierung jedoch nur kurz haltbar.
  • Abkochung mit Wasser:
    Wird meist bei harten Pflanzenteilen (Rinde, Wurzeln) verwendet. mit Wasser: Wird meist bei harten Pflanzenteilen (Rinde, Wurzeln) verwendet.
  • Destillat:
    Durch Wasserdampfdestillation werden die flüchtigen Wirkstoffe gewonnen. Durch Wasserdampfdestillation werden die flüchtigen Wirkstoffe gewonnen.
  • Elixier:
    Die Kräuter werden in Weingeist eingelegt, um ihre in Alkohol löslichen Wirkstoffe zu gewinnen. Extrakte oder ätherische Öle können zugesetzt werden.
  • Extrakt:
    Konzentrierter Pflanzenauszug mit wässrigen, alkoholischen oder ätherischen Lösungsmitteln.
  • Infus:
    Aufguss zarter Pflanzenteile (Blüten, Blätter, Samen) mit kochendem Wasser. Ein Kräutertee ist demnach genaugenommen ein Infus.
  • Mazeration:
    Kräuter werden in kaltes Wasser eingelegt, um die meist schleimhaltigen Inhaltsstoffe zu lösen.
  • Tinktur:
    Kräuter werden im Verhältnis 1:5 bis 1:10 in reinen Alkohol eingelegt und längere Zeit stehengelassen. Man gewinnt so die in Alkohol löslichen Pflanzenbestandteile

Pflanzenheilmittel sind ideal zur Selbstbehandlung

Die Phytotherapie ist schon so lange Teil unseres Kulturgutes, dass sie ganz selbstverständlich zu unserem täglichen Leben gehört. Wir wenden sie häufig an, ohne uns dessen bewusst zu sein. Ob wir einen Kaffee oder Tee zur Anregung zu uns nehmen, dem Kind mit Bauchweh einen Kamillentee kochen, eine Ringelblumensalbe auf eine Wunde streichen oder einen Kräuterschnaps nach einem schweren Essen trinken – wir wenden damit "instinktiv" Phytotherapie an.

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