Wir sind uns der Rhythmen und Bewegungen in unserem Körper nur selten bewusst. Der pulsierende Blutstrom, die rhythmische Atembewegungen, die unwillkürliche Arbeit unserer Verdauungsorgane, die Strömung der Körperflüssigkeiten und schließlich die Bewegungen der Muskulatur, Sehnen, Gelenke und Bindegewebe, dies alles läuft normalerweise ab, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen. Störungen wie Fehlhaltungen, stressbedingte Verspannungen oder sogar Verletzungen können von anderen Körperstrukuren eine Zeit lang ausgeglichen werden. So "verlagern" sich Funktionsstörungen und wirken sich auf andere Bereiche des Körpers aus.
Diese Zusammenhänge wurden bereits vor ungefähr 120 Jahren von dem amerikanischen Arzt Dr. Andrew Still erkannt. Er gründete das Fachgebiet Osteopathie oder Chiropraktik. Sein Schüler Dr. William Garner Sutherland erkannte, dass die Knochen des Schädels auch beim Erwachsenen gegeneinander beweglich sind und das der Liquor, die Flüssigkeit, die das Gehirn und das Rückenmark umhüllt, eine eigene Schwingung hat. Aus diesen Erkenntnissen entwickelte er ein Teilgebiet der Osteopathie um Blockaden am Schädel zu lösen und das System des Liquors zu beeinflussen und nannte sie Craniosacrale Therapie. Der Wunsch nach „Behandlung“ steigt Seit Stills Zeit hat sich die Osteopathie rasant weiterentwickelt und ist um wesentliche Bereiche ergänzt worden. Anfang des Jahrhunderts erreichte die Osteopathie England, in den fünfziger Jahren gelang sie nach Frankreich. Inzwischen gehört die Osteopathie in den USA und in einigen europäischen Ländern, insbesondere England, Belgien und Frankreich zu den bewährten und allgemein anerkannten Formen der Medizin. Auch in Deutschland wächst die Zahl der Patienten, die vor allem chronische Erkrankungen nicht nur mit Medikamenten behandeln wollen, sondern die der Krankheit an die Wurzeln gehen möchten. Die Zeiten, als Chiropraktiker mit einem kräftigen Ruck und brachialer Gewalt an der Wirbelsäule manipulierten, sind vorbei. Moderne Osteopathen beherrschen ihre Behandlungskunst ohne dem Patienten Schmerz zuzufügen. Die reinste Knochenarbeit Die Anwendung osteopathischer Techniken setzt genaueste Kenntnisse der Anatomie und Physiologie voraus. Zu den Grundlagen der Osteopathie zählen die Einheit des menschlichen Körpers, die wechselseitige Abhängigkeit von Struktur und Funktion und die selbstregulierenden Kräfte im Körper. Die osteopathische Medizin ist eine echte „Be-Handlung“. Denn allein mit Hilfe seiner Hände spürt der Osteopath oder Chiropraktiker Blockierungungen und Fehlstellungen des Skeletts auf und stellt die eingeschränkte Beweglichkeit wieder her. Die Diagnose und Behandlung durch den Arzt oder Heilpraktiker erfolgt mit spezifischen osteopathischen Techniken, die mit den Händen ausgeführt werden. Besonders häufig werden drei Techniken angewendet: - Plötzlicher kurzer Druck auf verlagerte Wirbel, um sie wieder in die richtige Stellung zu bringen.
- Hebelung zur Einrichtung verschobener Wirbel, wobei die Gliedmaßen als Hebel benutzt werden
- Kurze, schnelle Drehungen, zur Mobilisierung von Gelenken
Das Craniosacrale System - Rhythmus von Kopf bis Kreuzbein Das Craniosacrale System umfasst Schädel (Cranium), die Wirbelsäule und das Kreuzbein (Sacrum), daher der Name craniosacral. Die Verbindung zwischen Schädel und Kreuzbein wird nicht nur über die Wirbelsäule, sondern auch über die Hirnhäute und die Rückenmarksflüssigkeit gebildet. Dieses System steht in einer ständigen Wechselwirkung mit dem zentralen und dem peripheren Nervensystem, aber auch mit dem System von Muskeln, Gefäßen, Lymphbahnen, der Atmung und den Hormonen. Die Hirnflüssigkeit, der sogenannte Liquor cerebrospinalis wird ständig neu produziert und resorbiert. Die dadurch bedingten Druckveränderungen kann der geübte Therapeut als Schwingung oder craniosacralem Rhythmus am Schädel und an der Wirbelsäule bis zum Kreuzbein ertasten. Durch sanfte Bewegungen und Verschiebungen am Schädel und an der Wirbelsäule wird der craniosacrale Rhythmus harmonisiert und eine Normalisierung der Funktion der Nerven sowie ein Ausgleich der Spannung aller Muskeln des Körpers bewirkt. Wem hilft Osteopathie und craniosacrale Therapie? Osteopathie kann grundsätzlich bei allen Funktionsstörungen des Körpers angewandt werden. Selbst wenn diese schon längere Zeit bestehen. Altersbeschränkungen gibt es dabei nicht. Besonders Kinder sprechen gut auf die sanfte Therapie ohne Medikamente an. Chronische Verspannungen und Verletzungen des Skelettes und der dazugehörigen Muskeln und Bänder wie Bandscheibenvorfall, Hexenschuss, Folgen von Unfallverletzungen und Kiefergelenksprobleme sind typische Anwendungsgebiete für die osteopathische Medizin. Aber auch Erkrankungen wie Tinnitus , Verdauungsprobleme, Inkontinenz und prämenstruelle Beschwerden sprechen gut auf Osteopathie an. Auch Säuglinge und Kinder mit Problemen, die auf Traumata bei der Geburt oder später zurückgehen, zählen zu den typischen Patienten für die Osteopathie. Indikationen für die craniosacrale Therapie: Asthma bronchiale, Depression, Fieber, Gesichtszucken, Hyperkinetisches Syndrom, Kopfschmerzen, Lernstörungen bei Kindern, Migräne, Narben nach Operationen und Verletzungen, Ohrentzündung, Schupfen, Halsschmerzen, Schlaflosigkeit, Schwindel, Nebenhöhlenentzündung, Tinnitus, Trigeminusneuralgie, Wirbelsäulenpathologien Der Osteopath oder Craniosacraltherapeut kann tiefgreifende Wirkungen erreichen – in manchen Fällen schon in einer Sitzung. Bei schwierigen und "alten" Problemen ist, wie in jeder Medizin, ein längerer Behandlungszeitraum erforderlich. Wie finde ich „meinen“ Therapeuten? Die osteopathische und craniosacrale Behandlung muss auf Vertrauen basieren. Deshalb ist es wichtig, den für Sie geeigneten Therapeuten zu finden und dafür möglicherweise auch mehrmals zu wechseln, bis der „Richtige“ gefunden wurde. Der Begriff Osteopath ist gesetzlich nicht geschützt und die Ausbildung gesetzlich noch nicht geregelt. Nach derzeitiger Rechtslage gilt die Osteopathie als Heilkunde. Heilkunde darf nach deutschem Recht nur der Arzt/Heilpraktiker ausüben. Physiotherapeuten, mit 5jähriger osteopathischer Ausbildung, dürfen im sogenannten Delegationsverfahren (auf Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers) osteopathisch arbeiten. Die Behandlungsgebühren werden direkt mit dem Therapeuten abgerechnet. Eine Liste von Osteopathen im Verband der Osteopathen Deutschland e.V. finden Sie im Internet unter www.osteopathie.de . |